Donnerstag, 4. Oktober 2012

Familienausflüge

Habe ich schon erwähnt, dass meine Gastfamilie super ist?
Vor allem meine Gastmutter ist ständig besorgt darum, dass mir irgendwas fehlt, nicht gefällt oder ich mich langweile. Deshalb soll mir immer dies gezeigt werden und jenes.
So waren wir letztes Wochenende in Tzintzuntzan, der ehemaligen Hauptstadt der Purépecha, wo es eine alte Ruine gibt.

Die Ruine ist ehrlich gesagt nicht besonders beeindruckend, aber in einer sehr schönen Lage mit Ausblick auf den See. Seht selbst:

 

 
 
Einen anderen Tag ging es dann zum "Estribo". So heißt ein Aussichtspunkt hier in der Nähe. Von dort hat man einen super Ausblick auf den See, auf Pátzcuaro und die umliegenden Dörfer. Allerdings hat man nicht besonders viel davon die steilen Treppen hinaufzusteigen, denn von dort wird die Sicht auf den See komplett von Bäumen bedeckt. Naja doch man hat was davon: Verbrannte Kalorien und zitternde Beine!
Dieser Ausflug in Bildern:
 
Ausblick auf den See

Da hab ich ja was vor mir...!

Ausblick auf Pátzcuaro (Was so groß ist das?!)

Lieblingsbild!

Ein Bericht zur allgemeinen Straßenverkehrslage in Mexiko

Naja vielleicht doch nicht so allgemein, sondern eher auf Morelia und Patzcuaro bezogen...
 
Also erstmal zu den Autos: Hier in Huecorio oder in Patzcuaro habe ich fast ausschließlich Autos gesehen, die eher nicht durch den deutschen TÜV kommen würden. In Morelia gibt es zusätzlich doch auch einige sehr teuer aussehende, fette, neue Autos. Spritsparende Mittelklasse-Modelle hingegen sieht man kaum bis gar nicht. Entsprechend schlecht ist auch die Luft an stark befahrenen Straßen. Das mit dem hohen Spritverbrauch stört bei Preisen von umgerechnet 0,70€ pro Liter aber auch eher wenig. Dieser Spritpreis erklärt übrigens auch die niedrigen Kosten für öffentliche Verkehrsmittel. Ein Schienennetz gibt es nicht (bzw. nur für Güterzüge), dafür aber ein gutes Busnetz. Innerhalb Morelias oder in und um Pátzcuaro fährt man am besten Kombi. Das sind Mini-Busse mit festen Linien aber ohne feste Zeiten. Sie kommen einfach alle paar Minuten vorbei. Der Preis ist immer der Gleiche, egal wie weit man mitfährt: 6$ in Morelia, 7$ in Pátzcuaro (entspricht etwa 0,40€). Die bezahlt man ganz entspannt irgendwann während der Fahrt und wenn man ganz hinten sitzt, bittet man eben die anderen Fahrgäste das Geld weiterzureichen. So etwa sieht so ein Kombi aus, wenn eine Horde deutscher weltwärts-Freiwilliger ihn besetzt:
 
 
Auch in privaten Kombis kann man deutlich mehr Leute mitnehmen als es Sitze gibt, ohne dass das die Polizei das groß stören würde. Das sieht dann so aus:

 
Außerdem werde ich hier immer ausgelacht wenn ich mich anschnallen will. Das geht bei den meisten Autos gar nicht. Im Pick-Up meiner Gastfamilie zum Beispiel. Nach Aussage meines Gastbruders weil diese Anschnallbuchsen oder wie man das nennt stören, wenn sich vorne jemand in die Mitte setzen will. Achja mein Gastbruder meint übrigens er fährt schon seit 12 Jahren Auto. Nebenbei bemerkt: Er ist 24. Viel Spaß beim Rechnen!
 
Was aber cool ist an so einem Pick-Up: Jede Menge Sitzplätze auf der Ladefläche. Sehr gut auch zum Sonnen:
 
 
Dann zu den Verkehrsregeln: Ähm Moment welche Regeln? Schilder gibt es kaum, so habe ich zum Beispiel nur durch beobachten rausgefunden, dass die Straße, die einmal im Kreis durch unser Dorf führt eine Einbahnstraße ist. Für andere Situationen gibt es dann aber doch Schilder. Sehr beliebt ist ein Schild mit der Aufschrift "disminuye su velocidad" also "veringern sie ihre Geschwindigkeit". Oder auch ein Schild, das an "Vorfahrt gewähren" erinnert, aber die Aufschrift "uno en uno" trägt. Ich glaube das soll so etwas wie Reisverschlussverfahren an Kreuzungen bedeuten. Das sieht dann etwa so aus:
 
 
Mangels eindeutiger Regeln wie rechts vor links bedarf es einfach Absprache, wenn zwei Autos gleichzeitig eine Kreuzung erreichen. So wie ich das bisher beobachtet habe klappt das gut. Entweder einer ist einfach schneller und der andere muss dies hinnehmen, oder einer gibt ein Handzeichen, um dem anderen Vortritt zu gewähren. Wie gesagt, ich hatte bisher persönlich immer das Gefühl, dass das schon alles immer passt. Allerdings habe ich auch in den letzten Wochen von einigern Unfällen gehört, auch einem tödlichen Motorradunfall.
 
Dann zu den Straßen. Die Straßen in Morelia weisen einige Schlaglöcher auf. Noch schlimmer sind nur die Bürgersteige. Die wären in Deutschland ein Fall für kilometerlanges rot-weißes Flatterband. Seht ihr die rote Kante da auf dem Bild oben? Also ich stolpere jeden Tag mindestens zwei- bis dreimal fast. Na gut, was sowas angeht bin ich auch generell eher ungeschickt. Und mit Kinderwagen hätte man hier auch keine Chance, geschweige denn im Rollstuhl. Wie Rollstuhlfahrer damit umgehen weiß ich wirklich nicht, aber Mütter tragen ihre Kinder hier sowieso für gewöhnlich in Tragetüchern. In Pátzcuaro ist es nicht besser, auch dort sind die Bordsteinkannten hoch und vor allem sind kleinere Straßen dort nicht asphaltiert sondern gepflastert. Leider fehlen da schon einige Pflastersteine, was die Fahrt sehr langsam und holprig macht. Meine Lieblingsstraße ist übrigens diese hier:

 
Nicole meint sie erinnert an Inception (die Szene in der die Architektin zum ersten mal die Umgebung eines Traums konstruiert und spontan eine Stadt mit senkrecht in den Himmel ragenden Straßen entwirft, die jedem Gesetz der Schwerkraft widersprechen). Ich kann ihr da nur zustimmen. Auf Straßen, auf denen man nicht durch Schlaglöcher ausgebremst wird, tun dies Bodenwellen, die jedoch höher oder steiler oder beides sind als in Deutschland. Jedenfalls habe ich immer das Gefühl wir halten an, aber nein, doch nur eine Bodenwelle.
 
Zusammenfassung: Ich bin verdammt froh, dass ich hier nicht Auto fahren muss.

Desfile Nummer 3

Letzten Freitag fand das mittlerweile dritte "desfile" statt, dass ich in meinem ersten Monat hier miterlebt habe. Anlass war der Geburtstag der Stadt Pátzcuaro. Viele Teilnehmer hatten sich in der traditionellen Kleidung der Purhepecha, der hier in der Gegend ansässigen indigenen Bevölkerung, gekleidet, wie man hier auf dem Bild schön bunt sieht:
 
 
Auch meine Schule lief mit, sogar ich, gemeinsam mit den Lehrern.
Mangels anderer Vergleichsmöglichkeiten in Deutschland erinnern mich die Paraden ein wenig an Karneval. Allerdings gibt es da dann doch einige Unterschiede:
1. Sinde diese "desfiles" zwar auch eine Unterhaltungs-Veranstaltung, jedoch etwas ernster als Karneval, zumindest in dem Sinne, dass hier zur Parade kein Alkohol getrunken wird und, dass man sich nicht verkleidet nur um verkleidet zu sein, sondern um Traditionen darzustellen.
2. Kann man so ein "desfile" jederzeit und zu jedem Anlass stattfinden lassen.
3. Schmeißen hier nicht diejenigen die mitlaufen mit Konfetti sondern die Zuschauer. Danach sieht man etwa so aus:
 

Montag, 1. Oktober 2012

Meine Gastfamilie

So nebenbei hat meine Gastfamilie ja schon oft Erwähnung gefunden. Jetzt ist es mal an der Zeit, dass sie einen eigenen Eintrag bekommt.

Das also ist meine Gastfamilie versammelt am Esstisch:


Von links nach rechts:
Meine Gastmutter, ihr Mann, ihre Mutter und ihre zwei jüngsten Kinder Eugenio (genannt Chapiz, auch wenn ich nicht weiß wie man auf den Namen kommt) und Alejandra. Die beiden sind 24 und 21 Jahre alt, sodass ich hier quasi die jüngste "Tochter"/"hija" bin.

Direkt nebenan wohnt der älteste Sohn der Familie mit Frau und zwei Kindern, die entsprechend oft bei uns anzutreffen sind und mit denen am Wochenende häufig gemeinsam gegessen wird. Noch eine weitere Tochter der Familie lebt ebenfalls mit Mann und Kindern im Dorf und ist ebenfalls oft zu Besuch.

Außerdem betreibt die ganze Familie (meine Gastfamilie, ausgenommen der Großmutter plus im Dorf lebender Tochter und Schwiegertochter) gemeinsam einen Essensstand an meiner Schule. So haben sie mich überhaupt erst kennengelernt und gleich bei sich aufgenommen. Außerdem habe ich so einen zugegebenermaßen ungerechten Vorteil in der Frühstückspause; ich muss nie lange auf mein Essen warten. Und wenn ich mit Unterrichten fertig bin, kann ich einfach nochmal am Stand vorbei kommen, plaudern und beim Reste essen helfen.

Einkaufen in der großen Stadt

So hieß früher mein Lieblings-Computerspiel. Da musste man zwei - ja was war das überhaupt? - Bären glaube ich auf einer Einkaufstour in die große Stadt begleiten, immer an der richtigen Bushaltestelle aussteigen und einen Einkaufszettel abarbeiten.Was für ein Abenteuer!

Etwa so fühle ich mich, wenn ich mit meinen Gasteltern in Patzcuaro einkaufen gehe, auch wenn wir nicht Bus fahren. Denn einkaufen läuft hier auch etwas anders, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Bei uns fährt man einfach in den Supermarkt und kauft alles was man braucht in einem einzigen Laden (so einfach war "Einkaufen in der großen Stadt" natürlich nicht). Solche Supermärkte gibt es natürlich auch hier, aber das,was bei uns auf dem Tisch kommt, kommt zu einem Großteil frisch vom Markt. Dieser Markt erscheint mir wie ein einziges Labyrinth, in dem sich alle anderen jedoch bestens zurechtfinden.

Fleisch gibt es nicht tiefgefroren sondern tagesfrisch. Allerdings muss es auch den ganzen Einkauf ungekühlt überstehen. Und auch, dass die Metzger keine Handschuhe tragen wäre in Deutschland absolut undenkbar. Auch an Tacoständen oder unserem Essensstand in der Schule wird alles mit den Händen gemacht, was nicht zu heiß ist um es anzufassen. Allgemein war ich in Deutschland auch immer sehr kleinlich was Fleisch anging und habe auch jede Art von Knochen, Sehnen und Fett großräumig abgeschnitten. Zumindest das "großräumig" habe ich mir hier schon abgewöhnt, denn wenn hier ein Hühnchen geschlachtet wird, landet davon eben auch alles auf dem Teller und nicht nur die schönen Stücke (was ja eigentlich auch richtig ist).

Auch Obst und Gemüse sind frisch, und wenn man zu spät kommt, gibt es eben auch mal keine Erdbeeren mehr. Das Obst schmeckt hier übrigens viel besser als bei uns, zumindest die Mangos. Leider ist die Mango-Saison aber schon so gut wie vorbei.

Außerdem landet immer jede Menge Einweg-Plastikgeschirr und -besteck in den Einkaufstüten. Das fnde ich zwar eigentlich nicht so toll, da das eine Menge Müll macht, der hier nicht einmal getrennt wird, aber ich weiß auch nicht, wie man diesen Umstand verbessern sollte. Da der Essensstand mitten auf der Wiese steht, gibt es entsprechend auch keine Möglichkeit Geschirr abzuspülen.

Faszinierend finde ich auch den Supermarkt hier, in dem alles gekauft wird, was es auf dem Markt nicht gab. Dort ist ein ganzes Regal verschiedenen Chili-Saucen gewidmet und in den zwei Regalen gegenüber lagern unterschiedliche Chili-Sorten in unterschiedlich großen Dosen. Ein weiteres Regal widmet sich Mayo mit Zitronengeschmack vom Döschen bis zum Eimer. Einen ganzen Gang füllt besagtes Einweggeschirr, aber Duschgel sucht man vergebens. Hier schwört anscheinend die Mehrheit auf ganz normale Seife zum Duschen. Ich mag die aber dann doch lieber flüssig und wurde nach einigem suchen zum Glück in einem anderen Geschäft fündig.

Und um wieder den Bogen zum Anfang der Geschichte zu schlagen: Zum Schluss gab es, wie bei "Einkaufen in der großen Stadt" zur Belohnung ein Eis!

Witz des Tages

Ja, meine Klasse hatte heute schön was zu lachen.
Eigentlich ist es auf Spanisch ganz einfach den Wörtern Artikel zuzuordnen, denn bis auf einige Ausnahmen gilt: Endet ein Wort auf "a" ist es weiblich also "la", endet es auf "o" ist es männlich also "el".Leider gibt es aber ein paar Wörter, bei denen ich mir immer unsicher bin, ob sie auf "a" enden oder auf "o". So zum Beispiel das spanische Wort für "Schiff". Das heißt nämlich entweder "la barca" oder "el barco". Leider entschied ich mich für "la barca" und somit falsch. Wäre ja nicht weiter aufgefallen, wenn man im spanischen nicht "v" und "b" gleichaussprechen würde und meine Wortschöpfung "barca" auf einmal klang wie "vaca" also "Kuh".
Fazit: ich habe meinen Schülern erzählt, die Briten hätten Kühe geschickt, um andere Länder zu erobern. :D

Ein Eintrag nur für meinen Papa...

... jeder der schonmal auf unserem Balkon war, weiß warum.