Samstag, 20. Oktober 2012

Ein Brief aus der Heimat

"Dale su sorpresa a Dani" rief meine Gastmutter meiner Schwester Alejandra zu, als ich von einem Ausflug nach Morelia zurück nach Hause kam. Die "sorpresa" also Überraschung, die sie mir geben sollte, stellte sich als Brief von meinem Opa heraus, den mir meine Eltern zwar schon angekündigt hatten, dessen genauer Ankunftstag jedoch tatsächlich immernoch eine Überraschung darstellte. Ebenso natürlich der genaue Inhalt. Und so saß ich die nächsten Minuten gebannt lesend auf meinem Bett, um danach noch mehr Zeit schreibend dort zu verbringen.

Auch wenn mein Opa keinen direkten Internetzugang hat, hat er doch einen indirekten. Der heißt Matthias, ist mein Papa, und leitet meine Artikel ausgedruckt weiter. So kommt folgendes wohl vor meinem Antwortbrief an: Lieber Opa, liebe Karin, ich habe mich sehr über euren Brief gefreut. Ich freue mich zwar immer über eure Briefe, aber die Tatsache, dass dieser Brief eine so lange Reise hinter sich hat, macht ihn noch etwas besonderer. Eine umfassende Antwort ist ebenfalls verfasst und wird bei Gelegenheit von Pátzcuaro aus abgeschickt.



Mittwoch, 17. Oktober 2012

Felicidades :)

Oder auf deutsch: Glückwünsche...
...denn heute war mein Geburtstag und, passend dazu, schulfrei, da die Lehrer auf Fortbildung waren. Das war somit mein erstes Geschenk: Ausschlafen!

Der Morgen verlief sonst ziemlich unspektakulär, Duschen, Frühstücken und dann Skypen mit meinen Eltern. Allerdings hörte ich meine Gastfamilie schon die ganze Zeit tuscheln. Sie schienen etwas zu planen, aber was? Der halbe Tag verging, ich kommentierte meine Facebook-Pinnwandeinträge, bis schließlich Gabi (Nicoles Gastschwester und eine gute Freundin von Alejandra) vorbeikam und fragte ob ich mit zum Basketball käme. Erfreut über etwas mehr Action folgte ich ihr zum Basketballplatz auf dem Schulhof und beobachtete wie unserer Schulteam (von dessen Existenz ich bisher nicht wusste) gegen eine andere Schule spielte. Als ich schließlich begleitet von Gabi, Nicole und noch ein paar ihrer Freunde nach Hause zurückging dachte ich mir erst nicht dabei. Erst als ich Luftballons, einen langen gedeckten Tisch und meine gesamte Familie im Innehof antraf wurde mir klar, was hier vor sich ging! Überraschungsparty!!! :D

So kam jedes einzelne Familienmitglied auf mich zu, überwarf mich mit einer handvoll Konfetti, nahm mich in den Arm und wünschte mir alles Gute zum Geburtstag. Bei 14,5 Personen (das Baby zählt halb, da es zum Konfetti werfen noch etwas zu klein ist) kommt da schon eine ganze Menge Konfetti zusammen. Und sogar Geschenke gab es :)

Ich mit Blumen und Luftballons...

 
... und leider sieht man auch, dass ich zugenommen habe.
 
Und hier nochmal alle Geschenke fototauglich arrangiert:
 
 
Die beiden T-Shirts sind sogar recht wenig glitzerig für den Geschmack hier, was mir sehr entgegen kommt. So mit wenig Glitzer find ich sie eigentlich echt schön und ich schätze sie passen auch (noch). Ich habe sie aber noch nicht anprobiert.
Ach und für diesen netten Kerl hier, der ab heute in meinem Bett schlafen darf, suche ich noch einen Namen. Vorschläge? Einfach als Kommentar unter diesen Beitrag schreiben.

 
Schließlich nahmen wir alle am Tisch Platz:
 
 
Wie man sieht, gab es gutes Essen, vor allem aber danach KUCHEN!
Ich hatte sogar am Abend zuvor selbst einen Zitronen-Topfkuchen gebacken. Der ist mir leider nicht besonders gut gelungen. Er war recht hart und nicht so schön luftig wie von meiner Mama. Entweder es liegt an mir, oder (und das ist deutlich wahrscheinlicher!) am Backpulver, das irgendwie eher braun und körnig war als weiß und pulvrig. Aber es gab ja auch noch einen anderen Kuchen:
 
 
Naja und dann wurde mir erzählt ich sollte hineinbeißen. Das sei Tradition. Und ich, naiv und gutgläubig wie ich manchmal bin, zögere, denke mir aber nichts Böses, beuge mich über den Kuchen... und habe ihn auf einmal im Gesicht. Das hier ist noch das harmloseste Foto:
 
 
Ach und eine andere Tradition, das sagten mir aber mehrere, sodass das wirklich zu stimmen scheint, ist, das Geburtstagskind nass zu spritzen. Und so entwickelte sich nach dem Essen eine große Wasserschlacht auf unserem Hof, an der Lupita (meine kleine Nichte), Ricci (mein kleiner Neffe) und Alejandra (meine Schwester) begeistert, und Nicole und ich anfang gezwungenermaßen, dann aber auch immer begeisterter teilnahmen. Während ich mich auf das Füllen von Wasserbomben konzentrierte, positionierte Alejandra sich taktisch klug an unserer "Spüle" an der große mit Wasser gefüllte Behälter stehen aus denen sie nach Belieben schöpfen konnte. Um an sie heranzukommen half nur eins: Einfach drauf zu, auch wenn sie mich dabei klatschnass machte, aber einmal am Wasser angekommen konnte ich mich entsprechend rächen, bis wir beide klitschnass nebeneinander standen und nichts mehr zu fürchten hatten. Nicole hat das ganze fotografiert, das möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten und werde es nachtragen sobald ich die Bilder habe!
Mittlerweile bin ich jedoch frisch geduscht und wieder in trockener Kleidung und habe einen wunderbaren 19. Geburtstag hinter mir! Auch wenn sie das hier wohl nie lesen: Ein riesiges Dankeschön an meine Gastfamilie! Ihr seid super, les quiero mucho!
 
Ich habe heute sogar mit meinem "Bruder" in den USA telefoniert. Der rief eigentlich seine Familie an und als man ihm erzählte, dass gerade mein Geburtstag gefeiert wurde, hat er mir auch gratuliert und sich ein Weilchen mit mir unterhalten.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Und plötzlich war ich Misswahl-Jurymitglied...

... bei der schuleigenen Misswahl, beziehungsweise deren Vorentscheid. Der Sieger und die Siegerin werden die Schule ein Jahr lang auf "defiles" oder ähnlichem repräsentieren. Da mehrere Jurymitglieder fehlten, wurden Nicole und ich spontan befördert und nahmen am Jurypult Platz. Vor uns fanden wir einen Zettel mit den Namen der elf Teilnehmerinnnen und vier Teilnehmer, sowie Spalten zum Eintragen unserer Bewertung mit Punkten von 10 bis 100 für die Kategorien Persönlichkeit & Eleganz, Lauf, mündliche Präsentation und Grund warum sie/er gewinnen sollte. Entsprechend präsentierten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, liefen über den Platz, stellten sich nebeneinander auf und trugen schließlich kurz vor, warum ausgerechnet sie diese Wahl gewinnen, und die Schule repräsentieren sollten.

Bei den Mädchen, war von guten, mittelmäßigen bis schlechten Auftritten meiner Meinung nach alles dabei. Die Mädchen mit den sechs besten Bewertungen wurden zum Schluss bekanntgegeben und sind weiter im Rennen. Schade war nur, dass meine 15-jährige Nichte, die ich im Mittelfeld eingeordnet hätte, und somit gerade so unter den Top 6, leider nicht weiterkam. Bei den Jungen kamen alle vier weiter, sollten sich aber trotzdem vorstellen. Das fand ich schon lustig, sie auch mal so ganz offiziell bewerten zu dürfen, wenn ihr versteht was ich meine ;) Und vor allem konnte ich mich mit Nicole abstimmen, ohne, dass uns jemand anderes verstanden hätte. Danach haben wir zwar erfahren, dass wir sie nicht bewerten mussten, da es ja keine Entscheidung gab aber.. zu spät!

Montag, 15. Oktober 2012

Ein Wochenende in Mexiko-Stadt

Oder auf Spanisch auch kurz gesagt in "DF" für Distrito Federal, weil "Ciudad de Mexico" einfach viel zu lang ist.

Anlass für den Kurztrip, war Paulas 20. Geburtstag, zu dem sie mich eingeladen hatte. Wir kennen uns von den ijgd-Seminaren in Deutschland, hatten uns aber in Mexiko bis dahin nicht gesehen, da wir unterschiedliche Partnerorganisationen haben. Sie wohnt mit weiteren Freiwilligen in einer WG mitten in Mexiko-Stadt, in der Samstag abends die große Party steigen sollte. Wer mehr über Paulas Freiwilligendienst in einer Einrichtung für Straßenkinder erfahren will findet klickt sich hier zu ihrem Blog.

Meine Gastfamilie war von meinen Plänen nicht sonderlich begeistert, da sie sich sofort Sorgen um mich machten. Einige Horrorgeschichten über Raub und Diebstahl führten dazu, dass letztendlich auch ich mit einem unguten Gefühl startete - größere Scheine im BH versteckt, mein Handy in einer Tasche unter meiner Jeans und gänzlich ohne Kamera und iPod. Deshalb muss dieser Blogeintrag auch leider ohne Bilder auskommen. Diese Panik stellte sich aber als ziemlich unbegründet heraus. Die Metro kam mir nicht gefährlicher vor als jede ander U-Bahn und auch auf der Straße gab es keinen Grund zur Unruhe, zumindest nicht mehr als in anderen Großstädten.

Der Bus fuhr, mit nur einem Zwischenstopp in Morelia, direkt von Patzcuaro nach Mexiko. 5 Stunden ohne iPod sind ganzschön lang, aber irgendwie habe ich hier total Spaß daran die Landschaft zu beobachten. Oder später aber die Stadt, die sich scheinbar unendlich alle umliegenden Berghänge hinaufzieht.

Entsprechend kam ich freitags erst am späten Nachmittag an und lernte nach etwas Ausruhen einige Bars der Hauptstadt kennen. Auch der nächste Tag bot leider wenig Zeit, die Stadt kennenzulernen, da jede Menge Essen und Trinken für die Party gekauft und vorbereitet werden musste. Ein wenig Zeit blieb aber doch, um in den Stadtteil Coyoacan zu fahren und dort einen Markt zu besuchen.

Überrascht wurden wir abends davon, dass doch einige der Mexikaner, größtenteils Mentoren der Freiwilligen (sowas gibts bei meiner Organisation leider nicht), pünktlich bis überpünktlich eintrafen. Wir hatten damit gerechnet, dass wir, da die Einladung zu acht Uhr ausgesprochen war, mindestens bis halb neun oder neun Zeit haben würden alles vorzubereiten. Aber auch wenn man sich auf Unpünktlichkeit scheinbar nicht verlassen kann, war auf Hilfsbereitschaft doch immernoch Verlass und schnippelten wir gemeinsam Zwiebeln und Tomaten, brieten Hackfleisch und stampften Bohnen zu Brei (ja so und nach meiner bisherigen Erfahrung NUR so isst man hier Bohnen). Letztendlich hatten wir jede Menge Füllung für unsere Tortillas.

Am lustigesten fand ich, dass ich, da ich auf der Party fast niemanden kannte, sowohl von Deutschen als auch Mexikanern nie zugeordnet werden konnte. (Haarfarbe --> Deutsche... aber nicht von unserer Organisation... wo soll hier sonst eine Deutsche herkommen? --> Mexikanerin?) Eigentlich dachte ich, dass spätestens mein Spanisch mich als Deutsche enttarnen würde, aber tatsächlich wurde mir von mehreren der eingeladenen Mexikanern gesagt, sie hätten bei mir erfolglos nach dem typischen deutschen Akzent gesucht. Das war eindeutig das Kompliment des Wochenendes! Der alte Kioskbesitzer, der meinte, ich hätte das Lachen eines Engels, landet damit eindeutig nur noch auf Platz zwei. Es kann zwar sein, dass ich etwas besser Spanisch spreche als die Freiwilligen in der WG, da ich in der Gastfamilie mehr von Mexikanern und weniger von Deutschen umgeben bin, allerdings wurde mir in letzter Zeit auch von vielen anderen gesagt ich würde eindeutig MIT Akzent sprechen. Was denn jetzt? Egal eigentlich, solange ich mich verständigen kann, und das klappt immer besser.

Die Feier war sehr unterhaltsam, das finde ich echt cool hier, dass einen die Leute einfach anquatschen, aber total freundlich und nicht aufdringlich, und man auch immer etwas findet worüber man reden kann. Was das angeht, sind Deutsche doch im Durchschnitt etwas verschlossener.

Nach einer eher kurzen Nacht machte ich mich am nächsten Tag wieder auf den Weg zum Busbahnhof und dann ab nach Hause. 5 Stunden später erwartete mich eine glückliche Gastfamilie und vor allem meine Gastmama war froh, dass ihre "ninja" (kleines Mädchen) nicht geklaut wurde.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Zumba und "Mensch ärgere dich nicht"

Ein Tag, zwei neue Hobbies.

Zum einen habe ich heute eine meiner Schwestern besucht, um mit ihr und zwei ihrer Töchter zu einem Zumba-Fitness-Video zu tanzen. Das hat Spaß gemacht und ist angesichts dessen, was ich hier so alles esse auch dringend nötig! Nächstes Mal bin ich wieder dabei!

Und außerdem ist mein Gastgeschenk, ein Miniatur "Mensch ärgere dich nicht" Spiel, das ich mit "hombre no te enojes" übersetzt habe, mittlerweile auch super bei meinem Neffen angekommen. Der ist glaube ich neun Jahre alt, jedenfalls in der Grundschule, und hat riesigen Spaß dabei mich rauszuschmeißen. Im Gegensatz zu unserem Papierflieger-Weitwurf-Wettbewerb heute Mittag auf dem Schulhof konnte ich ihn im "Mensch ärgere dich nicht" jedoch besiegen.

Wie ihr merkt rede ich schon von meiner Gastfamilie, als wäre es meine richtige Familie. Das finden sie sie auch immer ganz lustig, wenn sie meinem Neffen erzählen ich wäre jetzt seine neue Tante, er darauf seinem Papa erklärt, dass ich entsprechend dessen Schwester sei, und seine Frau feststellt, dass wir uns gar nicht ähnlich sehen. Naja so habe ich jetzt auf einmal (meinen richtigen Bruder mitgerechnet) 8 Geschwister, von denen 3 jedoch in den USA leben, und 13 Nichten und Neffen von denen jedoch auch die Hälfte dort lebt. Ach ja und außerdem wurde ich von der ältesten auf einmal zur jüngsten Schwester. Ist auch mal interessant!

Día de la Raza

Am 12.Oktober 1492 landete Christoph Kolumbus in Amerika.

520 Jahre später bedeutet das: schulfrei in Mexiko!
520 Jahre minus einen Tag später (also heute) bedeutet das: Acto (= Festakt)

In diesem wurde dann natürlich auch auf die eigentliche historische und gesellschaftliche Bedeutung dieses Tages hingewiesen. Zuerst hat es mich etwas stutzig gemacht, dass ein solcher Tag, der doch eher ein schicksalsreiches Datum für die indigene Bevölkerung Mexikos darstellte (mehr noch jedoch der 21. April 1519 an dem Hernan Cortes ihr Land betrat), als Feiertag gilt. Aus dem Festakt, der etwa eine Dreiviertelstunde dauerte und wie üblich mit aufmarschieren mit Nationalfahne und singen der Nationalhymne angegangen wurde, ging jedoch hervor, dass dieser Tag nicht nur das Jubiläum der Entdeckung eines aus Sicht der Europäer neuen Kontinents darstellt, sondern auch das Jubiläum des indigenen Widerstands sowie die Geburtsstunde einer neuen "Rasse", der Mestizen, also Nachkommen von Indigenen und Spaniern. Diese machen je nach Internetquelle etwa 60-75% der Bevölkerung aus. So schien es mir als sähen die Mexikaner dieses historische Datum mit gemischten Gefühlen und nicht rein negativ, wie ich erwartet hätte. Allerdings kann man wohl dies auch nicht so verallgemeinern, zumal das Thema mir im Alltag eigentlich kaum präsent scheint. Nicht einmal in meiner Kultur-Stunde zum Thema Spanien bekam ich von meinen Schülern mehr als ein Kopfnicken auf die Frage ob sie Hernan Cortes kennen würden. Ich glaube allerdings, dass das mehr an Schüchternheit als an Unwissenheit liegt und daran, dass man sich hier, meiner Auffassung nach, in der Schule eher wenig kritisch mit Themen auseinandersetzt .

Nocheinmal zurück zum Wort "Rasse", das ich in Ausführungszeichen gesetzt habe. Eigentlich verweigert sich in mir alles dieses Wort zu verwenden (da merkt man mal, wie sehr die Geschichte des Heimatlandes prägt) aber ich weiß nicht, wie ich das spanische "raza" das hier (mangels nationalsozialistischer Vergangenheit) ganz ohne Bedenken oder negative Assoziationen verwendet wird, anders übersetzen soll.

Wie bereits erwähnt sind diese "actos" ebenso wie "desfiles" sehr militärisch geprägt. Ich musste mich einige Zeit dazu durchringen gemeinsam mit den anderen Schülern und Lehrern der Nationalflagge zu salutieren (und ich mache das auch eigentlich nur weil ich mich, wenn ich nicht mitmache noch eine Spur unwohler fühle). Dazu wird die rechte Hand flach mit der Handfläche nach unten an die Brust gelegt. Die Hymne werde ich allerdings nicht mitsingen. Erstens weil ich ich den Text nicht auswendig kann und zweitens, weil er mir nicht gefällt:
  
Coro:
Mexicanos, al grito de guerra
el acero aprestad y el bridón.
|: Y retiemble en sus centros la tierra,
al sonoro rugir del cañón. :|
Refrain:
Mexikaner, zum Kriegsgeschrei
die Schwerter und das mutige Ross bereit
|: Auf dass die Erde in Zentren erbebt sei
zum Kanonen-Knall ihr bereit seid. :|
Estrofa I:
Ciña ¡oh Patria! tus sienes de oliva
de la paz el arcángel divino,
que en el cielo tu eterno destino
por el dedo de Dios se escribió.
Mas si osare un extraño enemigo
profanar con su planta tu suelo,
piensa ¡oh Patria querida! que el cielo
|: un soldado en cada hijo te dio. :|
Strophe I:
Es bekränzt, Oh Vaterland, deine Stirn
mit den Olivenzweigen des Friedens der göttliche Erzengel.
Dein ewiges Schicksal wurde im Himmel
durch den Finger Gottes geschrieben.
Und wagt es ein fremder Feind
mit seinem Fuß deinen Boden zu entweihen,
denke, geliebtes Vaterland, daran, dass der Himmel dir
|: mit jedem Sohn einen Soldaten gegeben hat. :|

Es gibt noch einige weitere Strophen, die jedoch für gewöhnlich nicht alle gesungen werden. Wie gesagt, mir gefällt diese Hymne, die so direkt zum (Verteidigungs-)Krieg aufruft, nicht. Allerdings lasse ich es als Entschuldigung gelten, dass sie 1853 geschrieben wurde, also keine wirklich aktuelle Aussage hat sondern eher von vergangenen Kriege und deren Nachwirkung geprägt ist, besipielsweise vom verlorenen Krieg gegen die USA 1846-48 in dessen Folge Mexiko mehr als die Hälfte seines Territoriums verlor.

Diesmal gehörte aber neben dem salutieren der Fahne noch eine weitere Geste zum Festakt, die mich eindeutig zu stark an einen Hitlergruß erinnerte, um sie mitzumachen. Und so stand ich da, Arme angelegt, zwischen hunderten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ausgestrecktem rechten Arm und fragte mich was das denn bitte soll und was ich jetzt tun soll. Leider weiß ich nicht genau, was die Geste genau bedeutet. Laut Nicole, die dies wiederum vom Direktor der Schule hat bedeutet sie so etwas wie Widerstand oder kritisches Beobachten. Meine Ablehnung dieser Geste ist in diesem Zusammenhang also eigentlich völlig unbegründet, aber wieder einmal merke ich, wie sehr die Geschichte meines Landes und daraus resultierende Tabus mich geprägt haben.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Gespräch mit einer 7-Jährigen

Wie schon einmal angedeutet habe ich mich letztens mit einer 7-Jährigen unterhalten. (Da kam ich mir schon etwas komisch vor, weil ich sprachlich einfach so unterlegen war.) Es hat mich aber erstaunt, wie sehr sie interessiert hat, was in Deutschland so anders ist als hier und auch auf was für Themen wir kamen.

Ok, das erste Thema hat mich nicht überrascht: "Hast du auch Hunde und Katzen?" "Warum nicht?" "Gibt es bei dir nicht so viele Tiere?" So, wie erkläre ich jetzt, dass ich immer gerne einen Hund gehabt hätte, dass das in unserer Wohnung aber nicht erlaubt ist, ich außerdem im ersten Stock wohne und ich auch nie mit einkalkuliert habe, wieviel Arbeit das macht, wegen Gassi gehen, da Hunde bei uns nicht wie hier einfach im Dorf herumlaufen wie sie wollen, dass das den Menschen teilweise Angst macht und vor allem nicht gefällt... Und das Ganze möglichst ohne dass sie Deutsche für seltsam und tierunfreundlich hält. Scheinbar unmöglich.

Was mich aber ehrlich gesagt geschockt hat war folgende Frage: "Betrinkt sich dein Vater auf Feiern auch immer so?" Wie offen dieses Mädchen über Alkohol und Betrunkene, ihren Vater, ihren Onkel oder allgemein geredet hat, hat mich wirklich erschreckt. Ich glaube als ich so alt war wie sie, hatte ich noch nie bewusst einen Betrunkenen gesehen. Entsprechend habe ich versucht ihr zu erklären, dass Betrinken bei uns vielleicht auch bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen eine recht verbreitete Freizeitbeschäftigung ist, selten jedoch bei Erwachsenen, vor allem bei Familienvätern, dass auf unseren Familienfeiern Bier und Wein getrunken wird anstatt Tequila und das eher zum Genuss als zum Abschuss.

Ach übrigens Papa, meine Antwort auf die Frage war natürlich "Nein".