Freitag, 23. August 2013

Zurück in Deutschland

Tja, da bin ich wieder. Wer mich gerne persönlich wieder sehen möchte darf sich freuen (oder hat das vielleicht sogar schon getan) und wer immer so gerne meinen Blog gelesen hat braucht auch nicht traurig sein, denn den einen oder anderen Eintrag habe ich noch auf Lager.

Dieser hier soll ein wenig darüber Aufschluss geben wie ich mich wieder eingelebt habe und was sich geändert hat (oder auch nicht). Dann muss ich demnächst natürlich noch über den Mexiko-Urlaub mit meinen Eltern schreiben und auch das Nachbereitungsseminar Ende September könnte einen Eintrag wert werden. Vielleicht ergibt sich ja auch spontan noch die ein oder andere erzählenswerte Anekdote...

Teil 1: Kein Willkommen ohne Abschied

Von den meisten meiner Freunde hatte ich mich schon vor den Urlaubstagen mit meinen Eltern verabschiedet. Das war nicht leicht, doch durch den bevorstehenden Urlaub mit meinen Eltern hatte ich auch etwas worauf ich mich freuen konnte und musste mich nicht gleichzeitig von Land und Leuten verabschieden. Zwei Freunde begleiteten mich aber auch noch an meinem allerletzten Tag und bis an den Flughafen, was mich sehr freute und mir etwas die Depression nahm, die die Aufbruchsstimmung am Flughafen in mir auslöste. Andererseits wurde der Abschied, der diesmal so endgültig schien aber umso trauriger und tränenreicher. Es fiel mir unglaublich schwer, einfach den Rücken zu kehren und durch die Gepäckkontrolle zu gehen, wenn ich doch  nicht weiß wann und ob ich zurückkehren werde. Auf dem Flug selbst war ich zum Glück ausgeglichener, was wohl daran lag, dass ich immer nur zum Essen wach war. Die Stunden vergingen im wahrsten Sinne des Wortes im Fluge.

Umsteigen in London war kein Problem und auch in Frankfurt ging ich zielstrebig zur Gepäckausgabe und schließlich durch das grüne Zoll-Türchen. Draußen erwarteten mich meine Eltern und tatatadaaaaaa: Toni und Sandra :) Wir fuhren nach Hause und nach und nach wurde alles um mich herum immer bekannter und vertrauter, bis ich schließlich wieder in meinem alten Zimmer stand.

Teil 2: Alles an seinem Platz

Ein Abendessen bei Renate und Willy, vorbeischauen beim Orchester, Eis-Essen, Kneipentour, Bowling, Grillen, Döner essen, Brownies backen, Geburtstage feiern... ich würde sagen sozial (und kulinarisch) war ich sofort wieder top integriert. Und stets war es als ob ich nie weg gewesen wäre (nur mit mehr Gesprächsstoff). Die Traurigkeit angesichts des Abschieds von Mexiko hatte der Freude über das Wiedersehen mit meinen deutschen Freunden Platz gemacht. Ich fühle mich ein bisschen wie ein Puzzlestück, das an seinen Platz zurück gekehrt ist. Alles rundherum passt (immernoch), ist vertraut und beständig und es ist so leicht, sich zurechtzufinden.

Das soll jedoch keinenfalls heißen, dass es mir hier besser geht als in Mexiko. Ich habe mir dort ein gutes soziales Netz aufgebaut, habe auch meine Umgebung sehr gut kennengelernt, war absolut glücklich damit und bin es immer noch. (Ich mag diese Vergangenheitsformen im Gespräch über Mexiko nicht.) Ich habe jedoch erst jetzt bei der Rückkehr feststellen und wertschätzen können, wie verwurzelt ich in meiner Heimatstadt bin.

Teil 3: "Also in Mexiko..."

Also alles wie früher? Nein, das auch nicht. Am Anfang, als mir alles exakt so vor kam wie vor Mexiko habe ich mich tatsächlich gefragt welchen Platz Mexiko jetzt überhaupt in meinem neuen alten Leben einnehmen würde. Doch über die Tage haben sich da sehr viele Nischen aufgetan in denen Erinnerungen und Freundschaften regelmäßig aufleben:

1. Facebook ab 23.00 Uhr abends:
Sieben Stunden Zeitverschiebung machen es möglich die ganze Nacht todmüde (oder auch nicht dank Jetlag) mit putzmunteren mexikanischen Freunden zu chatten! :)

2. Erinnerungsstücke:
Eine Flasche Tequila im Regal, einen kleinen, bunt bemalten Keramik-Totenkopf auf dem Lautsprecher, ein Glas mit übrigem mexikanischem Geld in dem ich jetzt auf die Rückreise sparen werde und ein Schwarm Monarchfalter-Magnete an meiner Pinnwand... immer wenn der Blick darauf verweilt, schweifen die Gedanken zurück nach Mexiko.

3. Handel und Vermarktung weltweit:
Eine Chili-Soße wirbt mit "entdecken Sie den Mexikaner in sich". Ich lächele nur, denn ich schätze ich weiß etwas mehr von Mexiko als der Schöpfer des Slogans und der Soßenhersteller gemeinsam. (Es sei denn es handelt sich um den deutschen Vertrieb der einzig wahren fertig-Chili-Soßen Salsa Valentina oder Salsa Don Vasco.)
Ich kaufe Limetten: Herkunftsland Mexiko.
In einer Bar bestellt jemand ein Corona-Bier. Ich denke noch "Mensch die haben ja mehr Ahnung hier als ich dachte" als das Bier mit Zitrone serviert wird, verwerfe den Gedanken jedoch wieder als die Zitrone von allen einstimmig in den Flaschenhals hinein gedrückt wird anstatt sie ordentlich darüber auszudrücken und noch etwas Salz hinterher zu streuen.

4. Gespräche:
Meine neue Lieblingsphrase: "Also in Mexiko...
Ich hoffe meinen Gesprächspartnern wird dabei nicht langweilig. Ich könnte stundenlang über Mexiko erzählen und versuche auch absolut jeden Lebensaspekt fundiert zu vergleichen.

Teil 4: Und wo bleibt der Kulturschock?

Alles in allem habe ich jedoch das Gefühl, dass die Veränderungen oder die Entwicklung die ich erfahren habe in einem sehr privaten Teil meiner Persönlichkeit passiert sind. Das ist gut, denn so bin ich immer noch die alte, und verhalte mich allen gegenüber genauso wie vorher. Nur in mir drin scheinen manchmal viel vielschichtigere Denkprozesse angestoßen zu werden.

Da kommen dann manchmal so kleine Zweifel auf, zum Beispiel wenn ich mir unsere Wohnung ansehe, und mir auffällt, wie viel hier herum steht, von Möbeln über Geschirr bis Deko. Dann frage ich mich, ob ich mit unserem Coca-Cola Tisch und zugehörigen Coca-Cola Stühlen nicht genauso glücklich war. Andere Fragen kommen auf, wenn ich Fremden begegne. Werde ich mit ihnen jemals in ein so ungezwungenes kurzes Gespräch verwickelt werden wie es mir in Mexiko dauernd passiert?.. . passierte... ach an dieses Reden von Mexiko in der Vergangenheitsform habe ich mich noch nicht gewöhnt.

Freitag, 9. August 2013

Spendenaufruf

Liebe Blogleser,

meine Zeit in Mexiko neigt sich dem Ende zu. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere daran, wie ich mich vor der Ausreise um Spenden für das "weltwärts"-Programm bemühte. Dies will ich heute noch einmal tun, denn die Zielsumme ist noch nicht ganz erreicht. Da es damals einiges an Unverständnis und Verwirrung in diesem Zusammenhang gab, möchte ich meinen Spendenaufruf diesmal als eine Art FAQ aufbauen (auch wenn mir die Fragen so direkt nicht alle gestellt wurden). Bitte nehmt euch die Zeit ihn durchzulesen.

Warum bitte ich um Spenden für einen "Abenteuer-Urlaub"?
Die Bezeichnung Abenteuer ist durchaus angemessen dafür, ein fremdes Land ein Jahr lang so intensiv kennenzulernen wie ich es durfte - sowohl auf meinen Reisen, als aber vor allem auch im alltäglichen Leben.
Urlaub hingegen ist nur ein Teil meines Freiwilligendienstes und zwar der Teil, der nicht von den Spenden, sondern meinem eigenen Geld, sprich Erspartem, Freiwilligen-Taschengeld von 100 Euro pro Monat sowie Taschengeld seitens meiner Eltern bezahlt wird.

Wofür ist das Geld dann?
Das Geld geht direkt an meine Entsendeorganisation ijgd - internationale Jugendgemeinschaftsdienste. Wie man dem Namen entnehmen kann, engagiert sich diese Nicht-Regierungsorganisation im internationalen Austausch von Jugendlichen zur Förderung der internationalen Verständigung. Im allgemeinen wird durch eine Spende also eben dieses Vorhaben gefördert. Im speziellen sollen die Spenden die Kosten für meine Entsendung im Rahmen des "weltwärts"-Programmes decken.

Wie funktioniert das "weltwärts"-Programm?
"weltwärts" ist eine Initiative des Bundesministeriums für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst versteht sich jedoch nicht als Entwicklungshilfe sondern als Lerndienst. Deshalb werden in diesem Programm bewusst Jugendliche entsendet und keine ausgebildeten Entwicklungshelfer.
Durchgeführt wird das Programm von verschiedensten durch das BMZ anerkannten Nicht-Regierungsorganisationen wie beispielsweise ijgd. Die finanziellen Mittel kommen dabei zu 75% aus dem Budget des BMZ und zu 25% aus dem der Entsendeorganisation. Da diese sich in der Regel durch Spenden finanzieren, sind die Freiwilligen dazu aufgefordert um eben diese zu bitten.

Jetzt mal konkret, von wieviel Geld sprechen wir hier eigentlich?
Die gewünschte Spendensumme beträgt 150 Euro pro Monat also 1650 Euro für die Gesamtzeit von 11 Monaten. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Eltern, an weitere Verwandte, und Freunde und für die Unterstützung des Bistro-Teams. Mit eurer Hilfe sind bereits über 1500 Euro zusammengekommen. Jetzt fehlen noch exakt 117,42 Euro. Wenn also der eine oder andere Blogleser 5-10 Euro spendet, dürfte das erreicht werden.

Aber,... warum zahlen das nicht einfach deine Eltern?
Genau das haben die mich auch gefragt. Ich habe das Glück Eltern zu haben, die mich nicht nur unterstützen wollen, sondern das auch finanziell können. Sinn dieser Art der Finanzierung, des Aufbaus eines Förderkreises, der den Freiwilligen oder die Freiwillige durch Spenden unterstützt ist aber, dass die Entsendung unabhängig von deren finanziellen Mitteln ist. Gleichzeitig ist die Spenden-Akquise willkommene Öffentlichkeitsarbeit für das "weltwärts"-Programm.

Und warum sollen wir jetzt noch spenden? Du bist doch schon fast wieder zurück, ist doch scheinbar schon alles bezahlt!
Wie bereits angedeutet sind wir nicht verpflichtet sondern aufgefordert die Spenden einzubringen. Sie dienen dazu, dass das "weltwärts"-Programm kein Verlustgeschäft für ijgd ist sondern sich selbst finanziert. Ansonsten wird es nicht fortgeführt werden können. Das Geld sollte also in Solidarität mit den nächsten "weltwärts"-Generationen aufgebracht werden.
Außerden sehe ich den derzeitigen Zeitpunkt als günstig, da ich hoffe, dass meine Berichte auf meinem Blog etwas die Skepsis am Programm und somit auch an einer Spende genommen haben.

Die Skepsis genommen? Ne ich glaube da musst du nochmal nacharbeiten Dani... 
Alles klar! Freiwilligendienst - das klingt erst einmal nach einer Menge Arbeit für wenig Geld. Auch ich habe gedacht, dass ich mehr Arbeit haben würde und habe deshalb auch selbst einige Male den Sinn des Programmes hinterfragt. Im Endeffekt ist aber genau das eingetreten, was uns Freiwilligen schon auf den Vorbereitungsseminaren gesagt wurde. Dass diejenigen, die am meisten von unserem Freiwilligendienst profitieren, wir selbst sein werden. "weltwärts" versteht sich nicht als Entwicklungshilfe sondern als Lerndienst. Und, dass ich in diesem Jahr unglaublich viel gelernt habe - über Mexiko, seine Geschichte, Geographie, Politik, Kultur, Probleme, und Schätze, über den Alltag der Menschen, über mich und meine Erziehung, über den Umgang mit verschiedenen Kulturen und Werten, über Kommunikation in einer Fremdsprache, die mir mittlerweile ganz leicht über die Lippen kommt - und mich dadurch weiterentwickelt habe, das habe ich nicht einen Tag lang bezweifelt. Horizont erweitert? Check!
Es ist uns nicht möglich groß etwas zu verändern, wohl aber im Kleinen Anstöße zu geben: Nehmen wir zuerst meine Arbeit: Ein paar Schüler in Huecorio sprechen etwas besser Englisch, andere nutzen die Gitarrengruppe, die sich in unserer Anwesenheit gegründet hat. Vier Menschen in Morelia sprechen dank mir besser oder überhaupt Deutsch. Viel wichtiger als die Arbeit, da viel umfangreicher, ist aber eigentlich meine Freizeit. Denn all die Eindrücke, die ich das Jahr über bei Freunden und Bekannten hinterlassen habe, habe ich nicht nur als ich, als Daniela Beckmann hinterlassen, sondern auch als Repräsentantin Deutschlands. Ich habe hier und da ein wenig oder aber auch eine Menge über Deutschland erzählt, über Kultur, über Geld, über Wetter, über Nationalsozialismus. Auch wenn der Eindruck den Mexiko auf mich gemacht hat größer ist; auch ich werde einen Eindruck hinterlassen. Gleichzeitig habe ich mich in meinem Blog bemüht euch Mexiko näher zu bringen, quasi mit Insider-Information statt Vorurteilen. Internationaler Austausch und Verständigung? Check!
Ein dritter Punkt ist, dass die Arbeit der Freiwilligen mit ihrer Rückkehr nicht beendet ist. Wir sollen auch weiter als Multiplikatoren dienen und unsere Erfahrungen teilen und einbringen.

Also gut, und wie funktioniert das jetzt mit der Spende?
Das ist leider etwas kompliziert, da sehr ofiziell und formell. So brauche ich von jedem Spender eine Unterschrift in einer Förderkreisliste. Außerdem haben sich seit meiner Ausreise ein paar formelle Details geändert. So ist die Förderkreisliste anders aufgebaut (die aktuelle Version findet ihr natürlich auf meinem Blog unter „Förderkreis / Spenden“), Spenden dürfen nicht mehr von mir gesammelt werden sondern müssen direkt auf das ijgd-Konto eingehen und auch der anzugebene Verwendungszweck hat sich geändert (ebenfalls unter dem Link zu finden).

Ne also ehrlich gesagt habe ich das immer noch nicht verstanden, Was tun?
Alle Informationen finden sich noch einmal ausführlich und top aktualisiert unter „Förderkreis / Spenden“. Sollte trotzdem etwas unklar bleiben, wendet euch doch einfach per Mail an mich: daniela_beckmann@arcor.de.

Vielen Dank für eure Unterstützung,

eure Daniela

Donnerstag, 1. August 2013

Chiles en Nogada und ein Ausflug nach Tlaxcala

Vielleicht erinnert sich jemand noch an das freundlich Ehepaar, bei dem wir im Januar in Puebla für eine Nacht untergekommen waren. Ich habe sie jedenfalls nicht vergessen und am letzten Wochenende gemeinsam mit Xenia zum poblanisch Essen besucht. Typisch für Puebla, äußerst aufwendig und noch dazu ein absolutes Saison-Essen sind Chiles en Nogada:


Eine Chilischote (von den großen, die gar nicht scharf sind) gefüllt mit allerhand Obst und ein wenig Fleisch, darüber eine Soße aus Milch, Nüssen und wer weiß was noch alles. Mit der Zubereitung beginnt man am besten vier Tage vorher. Ich muss allerdings sagen mir war das ganze deutlich zu reichhaltig. Der Geschmack ist außergewöhnlich, aber ich habe dennoch nur halb aufessen können.

Am nächsten Tag boten sich unsere Gastgeber als Touristenführer an und fuhren mit uns in den benachbarten Bundesstaat Tlaxcala.

Dort besichtigten wir zunächst eine archäologische Stätte, die vor allem durch ihre Wandmalereien beeindruckt:



Weiter ging es in die gleichnamige Stadt Tlaxcala. Ein kleinen gemütliches Städtchen mit einer netten Plaza...



... einem Palacio voller Wandmalereien...



... und einem ehemaligen Konvent zu dem wir später noch liefen:


Am späten Nachmittag fuhren wir dann jedoch schon zurück nach Mexiko Stadt um dort einen letzten Abend zu verbringen bevor Xenia am nächsten Tag nach Hause nach Deutschland fliegen würde, während ich für die letzten zwei Wochen nach Morelia zurück führe.

Das einzig gute daran, dass es auch für mich schon fast nach Hause nach Deutschland geht, ist, dass in etwa vier Stunden meine Eltern hier in Morelia eintrudeln um die letzten Wochen mit mir zu verbringen! :)

Donnerstag, 25. Juli 2013

Sonne, Strand und Meeresschildkröten

Colola ist der Name eines kleinen Dörfchens an der Küste Michoacans, inklusive 4km Pazifikstrand. Das besondere: Eben dieser Strand dient drei Arten vom Aussterben bedrohter Meeresschildkröten als Brutstätte. Meeresschildkröten kehren zum Eier legen immer nur an ihren Geburtsstrand zurück. Colola ist somit vor allem Heimatstrand der schwarzen Meeresschildkröte, denn etwa 80% der Vertreterinnen dieser Art gehen hier zur Eiablage an Land.

Die Einwohner des Indigenen-Dorfes Colola haben sich zur Aufgabe gemacht diese zu schützen. Unterstützt werden sie dabei von nationalen und internationalen Freiwilligen, die über meine mexikanische Austauschorganisation "Vive México" im Rahmen von zwei-wöchigen Work Camps entsendet werden. Dazu sind natürlich auch wir "weltwärts"-Freiwillige herzlich eingeladen.

Ich selbst habe an keinem Work Camp teilgenommen, anders Xenia, die ich dann begleitete um dem Camp einen erneuten Besuch abzustatten. (Ich glaube ich muss Xenia an dieser Stelle nicht noch einmal vorstellen, schließlich handelt jeder zweite Artikel davon wie wir auf Vulkane oder Pyramiden klettern, in Hängematten oder am Strand liegen... An dieser Stelle liebe Grüße an ihre Freunde, die angeblich mittlerweile meinen Blog lesen, damit Xenia nicht so viel schreiben muss ;)

Mein erster Eindruck von Colola: Ich weiß jetzt was den Reiseführer-Schreiber inspiriert hat die Küste Michoacáns als "Küstenkönigreich hinter den Bergen" zu beschreiben. Die Gegend ist touristisch nahezu unerschlossen - keine Hotelblocks, stattdessen Natur pur. Und so setzte ich mich in den Sand, beobachtete Wellen und Sonnenuntergang und war viel zu gebannt um zur Schlafhütte zurückzukehren und die Kamera zu holen. Das wäre ihr auch möglicherweise nicht gut bekommen, denn aus "ich geh nur mal kurz mit den Füßen ins Wasser" machte eine freundliche Pazifikwelle nahezu eine Ganzkörperdusche.

So müsst ihr euch jetzt mit ein paar Fotos vom nächsten Tag begnügen:

Der Strand. Merke: Pazifik ist nicht gleich Mittelmeer. Die Wellen sind zwar schön anzusehen,
aber dank ihnen und der starken Strömungen ist schwimmen an diesem Strand verboten.
Schildkröten in Sicht!
Die Arbeit der Work Camp Teilnehmer beginnt erst nachts. Gemeinsam mit den ortsansässigen Freiwilligen gehen sie den Strand ab und dokumentieren wie viele Schildkröten an Land gehen. Außerdem sammeln sie Eier ein, wenn sie diese unverbuddelt finden, um ihnen in künstlichen Nestern eine zweite Chance zu geben.

Ich fand es beeindruckend die riesigen Schildkröten (ca. 1-1,5m Länge) tatsächlich von ganz Nahem an Land sehen zu können. Ganz langsam kommen sie voran, sich immer wieder mit den Flossen nach vorne ziehend und buddeln schließlich ebenfalls recht gemächlich ein Loch, in das sie ihre Eier legen (um die 100 Stück) und das sie schließlich wieder verschließen. Fotos habe ich blöderweise wieder nicht gemacht, doch es hilft das Internet:

Seltsam allerdings, dass diese Schildkröte tagsüber unterwegs ist.
Die Spuren die sie hinterlässt sehen übrigens aus wie Reifenspuren!
Am nächsten Morgen standen wir gemütlich erst gegen 11 Uhr auf und machten uns später auf den Weg zum Strand. Nein falsch, am Strand waren wir ja schon (ich hatte draußen bei Meeresrauschen in der Hängematte geschlafen), aber wir machten uns auf zu einem Strand an dem man auch schwimmen konnte:


Äußerst gemächlich verging der Tag, "stressig" wurde erst die Nachtschicht: An diesem Abend wollten wir helfen Nester für die gefundenen Eier zu buddeln. Etwa 20 wurden es im Laufe von etwa 3 Stunden die wir gruben, unten verbreiterten, behutsam die Eier hineinlegten und sie anschließend mit der gleichen nassen Erde zudeckten und markierten. Wenn die Eier vor dem Eingraben nicht zu sehr ausgekühlt sind, schlüpfen 45 Tage später kleine Schildkrötenbabies. Entsprechend werde ich etwa am 31.08. Schildkröten-Adotptivmama.. oder so ähnlich.

Schildkröteneier bereit zum Verbuddeln
An diesem Abend lernten wir auch die Work Camp Teilnehmer, Mexikaner und Mexikanerinnen, Südkoreanerinnen, eine Tschechin, ein Italiener, eine Kanadierin und deutsche Mitfreiwillige, besser kennen. Eine wirklich lustige Truppe. Ich hätte mich vielleicht doch einmal zum Work Camp anmelden sollen anstatt nur zu Besuch vorbeizufahren.

Den nächsten Tag, der gleichzeitig unser letzter war, wollten wir nutzen nach Maruata zu fahren, wo es einen noch schöneren Strand zum Baden geben sollte. Erstes Problem: Dort hinkommen! Dafür heißt es an die menschenleere Straße stellen und auf einen Bus warten. Wir warteten über eine Stunde. Soviel zum Thema touristisch unerschlossen:


Alle Strapazen waren jedoch bei diesem Anblick vergessen:



Und hatte man einmal die Stelle überwunden an dem die Wellen recht unrücksichtsvoll brechen, konnte man sich gemütlich im Wasser treiben lassen.
Zum Abschluss ein leckeres Essen:


... und dann ganz schnell ins Camp, denn wir hatten tatsächlich einen Busfahrplan gefunden, laut dem wir genau eine Stunde hatten zwischen Ankunft im Camp und nächster Abfahrt des Busses. Eine Stunde, in der wir packen, duschen und uns verabschieden wollten.

Da wir aber dennoch nicht sicher waren wie zuverlässig dieser Busplan war, versuchten wir uns ebenfalls als Anhalter. Und siehe da, letztendlich fuhren wir gute zwei Stunden auf einer Ladefläche zwischen Kokosnüssen nach Tecomán um dort einen Bus nach Morelia zu nehmen:


Dies war wieder einer dieser Mexiko-Momente, etwas was dir in Deutschland nicht passiert, einer dieser Momente in denen ich Mexiko liebe (noch mehr als sonst sowieso) und was vielleicht niemand nachvollziehen kann, der nicht selbst schon einmal eine Zeit lang hier war. Gekrönt wurde das ganze dann von Gurke mit Salz, Limette und Chili vom Straßenstand und hier nochmal die Frage: Wann erlebst du diese Situation jemals wieder? Und ja haltet mich für verrückt aber wir konnten nicht anders als glücklich sein mit Wind und Haaren im Gesicht, eine Tüte frische Gurke teilend und die Regenzeit-grüne Landschaft bewundernd...

Dienstag, 2. Juli 2013

Im Land des reichsten Manns der Welt

... sprich in Mexiko!

Carlos Slim Helú, 1940 als Sohn libanesischer Einwanderer in Mexiko Stadt geboren, verfügt über ein Vermögen von 73 Milliarden Dollar, mit dem auch Bill Gates nicht mehr mithalten kann. Zu verdanken hat er seinen Reichtum vor allem Aufkauf und Sanierung maroder Firmen in der mexikanischen Wirtschaftskrise 1982. Entscheidender Schachzug war jedoch der Kauf der ehemals staatlichen Telefongesellschaft Telmex, als diese 1990 privatisiert wurde. Gleichzeitig besitzt er mit América Movil den größten Mobilfunknetzbetreiber Lateinamerikas. Markenname in Mexiko: Telcel.

Natürlich ist eine solche Person nicht unumstritten. So soll er vor allem politischen Einfluss spielen lassen haben um die monopolartige Marktposition von Telmex zu sichern. Mit der Investition in den Mobilfunk hat er quasi die gesamte Telekommunikation in der Hand und kann entsprechend überhöhte Preise ansetzen. Beispiel Telcel: Es gibt durchaus andere Mobilfunkanbieter. Das gesamte Netz, sprich die Masten, gehören dennoch Telcel. Andere Anbieter sind somit deutlich weniger wettbewerbsfähig und so habe auch ich in meinem Handy einen Telcel-Chip und stecke Carlos Slim Helú so wie alle Mexikaner täglich noch ein paar Pesos mehr in die Tasche.

Ein so reicher Mann also in einem so "armen" Land? Ich weiß nicht, mir gefällt die Bezeichnung "arm" nicht. Es gibt keine "armen" Länder. Es gibt ausgebeutete Länder und Länder mit extremer sozialer Ungleichheit aber "arme" Länder? Eher nicht...

Mit seinem Bruttoinlandsprodukt landet Mexiko auf Platz 14 weltweit. Das hört sich eigentlich ganz schön (wirtschafts-)mächtig an. Auf pro Kopf Einkommen runtergerechnet sieht es dann schon etwas bescheidener aus, aber das eigentliche Problem ist, dass dieses scheinbare Durchschnittseinkommen, von dem man meinen sollte, es solle der Mittelschicht entsprechen kaum vertreten ist. Denn eine Mittelschicht ist nahezu inexistent. Der Großteil der Bevölkerung verdient deutlich weniger und ein kleiner Anteil umso mehr.
Geld ist da, aber es ist schlecht verteilt.

Sonntag, 23. Juni 2013

Ich stelle vor: Mein Zimmer


Unschwer zu erkennen an:
1. Meinem Laptop in den ich mittlerweile wieder fleißiger Blogeinträge tippe.
2. Den Überresten eine Mango - von denen habe ich immer noch nicht genug.
3. Notenständer, um fleißig zu üben :)
4. Leider nicht so gut erkennen Familienfoto da hinten auf dem Schoß vom pinken Kusceltier in der Ecke.

Alle Wege führen in die USA

Die einzige direkte Staatsgrenze zwischen einem "Industrieland" und einem "Entwicklungsland": Die häufig verwendeten jedoch politisch nicht mehr ganz korrekten Begriffe "1. Welt" und "3. Welt" scheinen schon zu implizieren, dass eigentlich eine ganze Welt dazwischen liegt. (Das "Fehlen" der "2. Welt" liegt tatsächlich aber daran, dass dieser Ausdruck ursprünglich den kommunistischen Block beschreibt, der heute als solcher nicht mehr existiert.)

Die einzige solche Grenze also - und was für eine:  3.150km Sicherheitszaun, Grenzfluss und Wüste, illegal über- unter- oder durchquert von jährlich hunderttausenden oder doch millionen Menschen (darunter nicht nur Mexikaner, sondern etwa auch Menschen aus Guatemala, El Salvador oder Honduras), und 20 Grenzübergänge, die für jene Mexikaner offen stehen, die das Glück haben legal einreisen zu dürfen.

Während die USA Milliarden für die Grenzsicherung ausgeben, sind die Überweisungen mexikanischer Migranten an ihre Familien zuhause nach Erdöl die zweitwichtigste Einnahmequelle Mexikos. Klingt als seien die USA die Leidtragenden der geographischen Begebenheit. Das stimmt so allerdings auch nicht, denn dank des nordamerikanischen Freihandelsabkommens zwischen Kanada, den USA und Mexiko, abgekürzt NAFTA für North American Free Trade Agreement, haben US-amerikanische Firmen Mexiko einerseits als billiges Produktionsland für sich entdeckt - "maquiladores", Fertigungsfabriken, säumen die mexikanische Seite der Grenze - als auch als wertvollen Absatzmarkt. Und so zahlen die Mexikaner mit jeder Coca-Cola, die sie trinken (und ich erinnere daran, dass bei meiner alten Gastfamilie zu jedem Mittagessen die 2,5l Flasche auf dem Tisch stand) doch wieder an die USA zurück.

Zurück aber zur Migration: Dieses Thema wurde in der Schule immer gut diskutiert. Im Spanisch Unterricht, wenn es gerade um Mexiko ging und noch einmal mehr im Englisch Leistungskurs, dessen Schwerpunkt deutlich auf Integration und Multikulturalismus lag. Damals, auf der anderen Seite des Atlantiks, hatten wir zwar unzählige Stichpunkte parat, Beispiele für gute Immigration und kulturelle Bereicherung, Beispiele für die Bildung von Enklaven und und und, trotzdem war das eigentliche Problem unendlich weit weg. Jetzt, immer noch in sicheren 1000 km Entfernung von der Grenze, findet das ganze jedoch um mich herum statt:

Meine Gastfamilie (aus Huecorio) erzählt mir von ihren Kindern in den USA, von den Enkeln die so fließend diese unbekannte Sprache sprechen. Ich grüße sie per Videoanruf.
Mal ist meine Gastmutter stolz zu berichten, dann wieder den Tränen nahe wegen der Trennung von ihren geliebten Kindern.
Ein Paket kommt an, voller getragener amerikanischer Kleidung, die meine Familie dann hier verkauft.
Männer die einmal in den USA waren, jetzt aber wieder im Dorf leben versuchen bei mir mit ihren Englisch-Kenntnissen zu prahlen. (vergeblich)
Man erzählt mir warum im Dorf so viele Häuser leerstehen und verfallen: Die Besitzer sind in den USA und interessieren sich nicht mehr dafür.
Der Cousin meiner neuen Gastfamilie in Morelia, aufgewachsen in den USA, kommt vorbei und spricht Spanisch mit noch mehr Akzent als ich.
...

So habe ich auch meine Stichpunkte aus dem Englisch Leistungskurs etwas überdenken können: Es ist eben nicht immer der große "American Dream", vom Tellerwäscher zum Millionär, einzig durch harte Arbeit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das ist viel zu ideologisch, viel zu weit in die Zukunft gedacht und damit viel zu weit weg von der Realität der Menschen. Den Eindruck, den ich vom Leben und den Menschen hier habe, ist vielmehr, dass sie von Moment zu Moment, Tag zu Tag, Jahr zu Jahr leben - nehmen was kommt, keine großen Pläne machen, die dann doch wieder überworfen werden würden. Das Leben ist hier spontaner und dadurch gleichzeitig einfacher und komplexer. Komplexer weil die willkürlichen Faktoren Korruption und organisiertes Verbrechen mitspielen oder weil im Krankheitsfall eines Verwandten die ganze Familie der Versicherer ist, nicht der Staat, und einfach mal ihr ganzes Erspartes abgibt. Aber auch einfacher, weil der Umgang damit erfordert spontan und flexibel zu sein und keines Planes bedarf. Das ist meine Interpretation. Vielleicht ist sie völliger Schwachsinn, aber so ist mein Eindruck.

Ein "American Dream" passt in das beschriebene Bild also wenig. Klar, es geht um Geld; selbst ungelernt, verdient es sich in den USA besser als hier. Und bei 0 Tagen gesetzlichem Urlaubsanspruch im ersten Jahr, 6 die darauffolgenden nach ein paar Jahren schließlich 12 wohlgemerkt bei Arbeit von Montag bis Samstag, naja da kann einen auch illegale Arbeit ohne Vertrag und ganz ohne Ansprüche nicht mehr groß schocken. Es geht also um Geld, aber der eigentlich "American Dream" beinhaltet vor allem Aufstieg. Zumindest illegale Einwanderer aber bleiben zumeist ungelernte billige (Saison-)Arbeiter. Und das wissen sie auch. Doch wenn sie dann mit ihrem neuen Auto nach Mexiko zurückkehren und mit ihren Freunden und einem Sixpack Bier über die Schotterstraßen ihres Ranchos fahren sind sie dennoch Helden und inspirieren die Jüngeren es ihnen nachzutun.

Ach ja: notiere neben Geld zwei weitere Gründe oder zumindest Auslöser sich letztlich für die Ausreise zu entscheiden: 1. Ganz banal: Liebeskummer. 2. Flucht vor den Fängen der Drogenmafia... klingt mehr nach Amerikanischem Alptraum.

Und warum dieser Artikel genau jetzt?
Vor ein paar Wochen hat meine Gastschwester Alejandra die Ausreise gewagt - illegal. Das hat bei mir erstmal Schreckensbilder hervorgerufen. Ich sah sie im Rio Grande ertrinken, von Hunden gejagt durch ein Loch im Stacheldraht kriechen und in der Wüste verdursten. 500 Mexikaner sterben jährlich beim Versuch der illegalen Grenzüberquerung. Doch glücklicherweise entsprach nichts von alledem der Realität. Ich weiß nicht viel von ihrer Ausreise, nur dass sie zufällig über eine Freundin einen "Koyoten", einen Schleuser, kennenlernte, ihm eine Summe zahlte an die ich mich nicht mehr erinnere, aber die mir die Sprache verschlug und wohl den Rio Grande auf einem Boot überquerte. Klingt einfach, wären sie aber geschnappt worden wäre an Land eine ziemlicher Sprint gen Freiheit oder aber Abschiebung gefolgt. Jetzt ist sie bei ihrer Schwester in Los Angeles.

Und auch mein Gastbruder Chapis steht in den Startlöchern. Er hatte allerdings keinen Schleuser kennengelernt, sondern jemanden der Kontakt zu den offiziellen Behörden hat und ihm daher legale Papiere beschaffen kann. Diese sind gerade in Arbeit.

Und meine Familie? Nun die versucht sich in Optimismus, doch Traurigkeit und Sorge sitzen tiefer. Drei Kinder sind schon in den USA. Bald werden es fünf von sieben sein.
Die Arbeit in den USA mag wirtschaftlich lohnenswert sein, doch sie zerreißt Familien.